Jetzt gehts los!

Dorothea Loosli Allgemein, Politik

Liebe Besucherin, lieber Besucher

Nun bin ich seit letztem Montag Präsidentin des Grossen Rates oder – wie oft auch gesagt wird – “höchste Bernerin”. Ich möchte es nicht unterlassen, unter diesem Hut mindestens einmal wöchentlich etwas aus meinem Alltag zu erzählen, zur Diskussion zu stellen usw.
Höhepunkt meiner ersten Woche war der Empfang in meiner Gemeinde Radelfingen. Herzlichen Dank allen Mitwirkenden, euer Einsatz hat mich sehr berührt, es war einfach toll!
So lautete meine Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger des Kantons Bern:

Mad rush! Mad rush kann sinngemäss mit „überbordende Hektik“ übersetzt werden und Sie haben jetzt gerade die Vertonung von überbordender Hektik gehört. Etwas, das wohl alle hier Anwesenden bestens kennen – und trotzdem sind Sie gekommen, ich fühle mich sehr geehrt und empfinde grosse Freude:
Seid gegrüsst liebe Gäste, soyez les bienvenues, chers invités!
In unserer Gemeinde steht nicht die überbordende Hektik im Vordergrund, sondern die überbordende landschaftliche Schönheit und Vielfalt. In der Höhe haben wir freien Blick auf die drei Seen, verfügen aber anderseits auch über lauschige Plätzchen entlang der Aare. Ich kann Ihnen sagen, da wird man automatisch grün, denn diese Schönheit und Vielfalt ist die Ressource unserer Gemeinde.
Doch was heisst eigentlich „grün“ in der Politik? Da gibt es ganz viele Klischees, die will ich jetzt nicht aufzählen. Ich will aber versuchen, mit wenigen Worten zu erklären, was ich unter „grün“ in der Politik verstehe. – Und vielleicht werden Sie am Schluss feststellen, dass Sie auch etwas grün sind.
Grün sein bedeutet, dass man die Umwelt als Grundlage des Lebens betrachtet und sie deshalb in allem Tun und Lassen entsprechend mitberücksichtigt. Und ich wage zu behaupten, dass die Meisten unter Ihnen das mitunterschreiben würden. Wie das aber dann am Besten zu gewährleisten ist und was genau welche Gewichtung bekommt, da gibt es ganz verschiedene Blickwinkel und niemand kann den alleinigen Wahrheitsanspruch des richtigen Weges für sich beanspruchen.
Nun sind wir aber bereits direkt im Parlament angekommen. Ich kann Ihnen sagen, ich liebe die Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Es sind Leute, die nicht nur die Faust im Sack machen. Nein, sie setzen sich aktiv für ihre Anliegen ein und das so glaubwürdig, dass sie durch ihre Wahl von den Gleichdenkenden dazu legitimiert wurden, im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren und mit Hilfe von Vorstössen für ihre Interessen einzustehen. Andersdenkende sind also nicht explizit Feinde, sondern sie haben von ihrem Hintergund, den Interessen und Erfahrungen her einen anderen Blickwinkel. Werden die politischen Gegner so verstanden, kann ich mit ihnen einen respektvollen Umgang, ja sogar ein freundschaftliches Verhältnis pflegen obschon wir in der Sache hart gegeneinander antreten. Einander möglichst unvoreingenommen zuhören und versuchen zu verstehen, welche Interessen hinter den jeweiligen Positionen stehen – bis man zum wirklichen Kern des Problems vorgedrungen ist und dann nach konsensfähigen Lösungen suchen, das ist der Königsweg der Politik! Ich behaupte, dass es mit einer solchen Einstellung möglich wird als Politiker und Politikerin das zu leisten, was alle Nichtpolitiker und Nichtpolitikerinnen von uns erwarten: Dass wir gemeinsam das Beste für alle wollen – auch für die, die wir nicht zu den „unsrigen“ zählen.
Wenn ich gefragt werde, wo ich mich politisch einstufen würde, als Hardlinerin, Fundi… oder was es noch alles gibt, antworte ich jeweils, dass ich mich als idealistische Realpolitikerin bezeichnen würde. Nach meinen Ausführungen wissen Sie warum. Selbstverständlich werde ich in meinem Präsidialjahr versuchen, in heiterer Gelassenheit etwas von dieser Kultur weiter zu tragen.
Et maintenant, que la fète commence! Dank der freundlichen Einladung meiner Wohngemeinde und vielen fleissigen und begabten Händen dürfen wir heute einen geselligen freundschaftlichen Abend verbringen – à cent lieues de ce „mad rush“. Allen sei dafür herzlich gedankt! Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen!

Philipp Glass: Mad Rush